Schofar of E-rez Jis-ra-el

Sch´mah Israel JHWH Eloheim JHWH Echad 5 Mose 6:4

Judenfeindlichkeit, Antisemitismus

leave a comment »

Judenfeindlichkeit, Antisemitismus
Judenfeindlichkeit (auch: Judenhass, Judenfeindschaft) ist die pauschale Ablehnung von Juden
oder des Judentums aus verschiedenen Motiven und mit verschiedenen Ausprägungen. Heute
wird auch der um 1879 von Judenfeinden geprägte Begriff Antisemitismus als Oberbegriff für
alle Arten von Judenfeindlichkeit verwendet.
Juden waren in der Geschichte in vielen Ländern oft einer Feindschaft ausgesetzt, die sich
unterschiedlich zeigte und auswirkte: von Verleumdung, Diskriminierung, Unterdrückung,
Verfolgung bis hin zu Pogromen, Vertreibung und/oder Ermordung. Dies betraf:
· das jüdische Volk im Raum Palästina: Antike Judenfeindschaft;
· die jüdische Religion in Europa: Antijudaismus im Mittelalter und Antijudaismus in der
Neuzeit;
· ein angebliches „Weltjudentum“ und eine angebliche jüdische „Rasse“: Antisemitismus bis
1945;
In manchen Staaten und Regionen existiert diese Ablehnung bis heute fort und richtet sich
gegen:
· die Existenz des modernen Staates Israel: Antizionismus, heute oft gesteigert zu einem
Antisemitismus in islamischen Ländern;
· einen weiterhin unterstellten übergroßen Einfluss von Juden auf Wirtschaft, Gesellschaft,
Politik und Kultur: Antisemitismus nach 1945.
Überblick
Die Formen von Judenfeindlichkeit haben je eigene Hauptmerkmale, die historisch voneinander
unterschieden werden. Zugleich bestehen Kontinuitäten zwischen ihnen: Dazu gehören
antijüdische Stereotype von Juden als „Feinden der Menschheit“ (Antike),
„Gottesmördern“, „Wucherern“, „Ritualmördern“, „Brunnenvergiftern“ (Mittelalter und
Neuzeit), „Parasiten“, „Verschwörern“, „Drahtziehern“ aller möglichen politischen und
ökonomischen Katastrophen, Betreibern einer „Zersetzung“ der Nationen (19. Jahrhundert),
die allesamt bis in die Gegenwart hinein fortwirken. Verunglimpfende antijüdische
Karikaturen aus verschiedenen Zeiten ähneln sich. Auch die Verschwörungstheorie eines die
Weltgeschicke dominierenden Weltjudentums kehrt immer wieder.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ein rassistischer Antisemitismus zur staatlichen
Doktrin und begründete den staatlich organisierten und industriell vollzogenen Holocaust an
gut zwei Dritteln aller europäischen Juden. Um diese tiefe Zäsur in der Geschichte Europas,
ihre Entstehungsbedingungen und Wurzeln zu begreifen, hat sich seit 1945 eine
Antisemitismusforschung gebildet. In dieser werden sämtliche Formen von Judenfeindlichkeit
hinsichtlich ihrer Eigenarten, Kontinuitäten und Diskontinuitäten intensiv und
fächerübergreifend erforscht.
Dabei besteht keine Einigkeit über die sachgerechte Benennung des epochenübergreifenden
Phänomens. Da Entstehung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von antiker, christlicher,
neuzeitlicher und gegenwärtiger Judenfeindlichkeit noch unzureichend erforscht wurden, trifft
man oft eine begriffliche Konfusion an: So werden antike und mittelalterliche Judenverfolgung,
aber auch heutige antizionistische und anti-israelische Haltungen oft pauschal als
„Antisemitismus“ eingeordnet, auch wenn sie nicht rassistisch motiviert sind.
Besonders die deutschsprachige Forschung bezieht den Begriff „Antisemitismus“ meist auf die
Epoche, seit Judenfeinde diesen Begriff erfanden (1879) und spricht für die Zeit, seit sie
völkisch und rassistisch argumentierten (1789), von einem „Frühantisemitismus“. Ältere,
vorwiegend religiös motivierte und begründete Judenfeindlichkeit wird als „Antijudaismus“
davon unterschieden. Besonders in der israelischen und angelsächsischen Forschung hat sich
„Antisemitismus“ dagegen als Oberbegriff für die fundamentale Ablehnung alles „Jüdischen“
seit der Antike eingebürgert.
Damit wird allerdings der von Judengegnern ideologisch geprägte Rassenbegriff indirekt
übernommen. Dies unterstellt unter Umständen auch dort Ausrottungsabsichten, wo diese
nicht vorhanden waren. Andererseits kann der Begriff „Judenfeindlichkeit“ Tendenzen, die
schon vor 1870 mit Abstammung, Volkszugehörigkeit und „Blutsverwandtschaft“
argumentierten und auf kollektive Unterdrückung, Vertreibung und Auslöschung aller Juden
hinausliefen, übersehen und einebnen. Auch erfasst dieser unspezifische Oberbegriff noch nicht
die besondere Ablehnung „des Jüdischen“, die auch ohne reale Juden funktioniert. Darin deutet
sich das Problem einer allgemein gültigen Definition des Phänomens an.
Nach dem Zitat des Patriarchen aus Gotthold Ephraim Lessings Drama Nathan der Weise
wurde Juden oft das Existenzrecht abgesprochen, bloß weil sie Juden sind: Tut nichts, der
Jude wird verbrannt. Das zu Grunde liegende Phantombild, das im Nationalsozialismus
paranoide Dimensionen annahm, besagt: Juden seien per se verkommen, böse und verdorben.
Als „typisch“ für sie gilt dann alles, was diesem Negativbild entspricht; Was ihm widerspricht,
kann nichts mit dem Judesein zu tun haben und wird als Verstellung angesehen.
Prinzipielle Judenfeindschaft tendiert bei all ihren widersprüchlichen Begründungen letztlich zur
völligen Auslöschung des Judentums: sei es, indem es zur überholten und „verworfenen“
Religion erklärt wurde, sei es, indem es einem allgemeinen humanen „Fortschritt“ zum Opfer
gebracht werden sollte oder zum Untergang durch den Selbstbehauptungskampf einer
überlegenen „Rasse“ bestimmt wurde. Diese irrationalen pauschalen Judenbilder gelten als
Beispiel für Bildung von Vorurteilen und politische Instrumentalisierung daraus konstruierter
Feindbilder (Wolfgang Benz). Sie haben sich über die Jahrhunderte als außergewöhnlich stabil
und wandlungsfähig erwiesen. Weshalb dieser Hass in Europa immer wieder besonders Juden
traf und gerade in Deutschland zu einem systematischen staatlichen Ausrottungsversuch
führte, ist noch nicht zureichend erklärt.
Antike Judenfeindschaft
Die Großreiche der Antike – Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer –
versuchten oft, den eroberten Völkern ihre Götter und Kultur aufzuzwingen. Dabei erlaubte der
verbreitete Polytheismus ihnen oft einen Synkretismus: Neue Götter wurden in das eigene
Pantheon aufgenommen oder man verehrte die alten Götter unter den Namen der Neuen
weiter. Antike Religionspolitik war jedoch meist mit dem Gottkönigtum verbunden und von
einem Staatskult überwölbt, um die unterworfenen Völker zu vereinheitlichen.
Das Judentum sah sich seit seinen Anfängen von fremdem Völkern und ihren Göttern bedroht,
denn es akzeptierte nur einen Gott als Schöpfer der ganzen Welt (Monotheismus). Die Juden
verweigerten sich vielfach dem Polytheismus, Synkretismus und Gottkönigtum der antiken
Umwelt und stellten damit die Wertorientierung umliegender Kulturen in Frage. Das führte zu
einer Reihe von religiös-politischen Konflikten in und um die Reiche Juda und Israel. So
versuchte schon der Seleukide Antiochus IV. um 170 v. Chr., den Zeuskult in Israel zu
etablieren. Als dies unter den Makkabäern Widerstand auslöste, versuchte er, die Religion und
damit Identität des Volkes Israel auszulöschen.
Die neue Weltmacht Rom tolerierte zunächst die eigenständige Religionsausübung des
Judentums mitsamt seinem Tempelkult. Doch in der römischen Kaiserzeit entstanden erneut
Spannungen, die schließlich zum jüdischen Krieg führten. Er endete 70 n. Chr. mit der
Zerstörung des 2. Jerusalemer Tempels. Damit verlor das Judentum sein religiöses und
staatliches Zentrum und 135 auch seine Eigenstaatlichkeit in Palästina. In der Folgezeit
verfestigten sich antijüdische Stereotypen gerade bei gebildeten Römern: Ihnen galten Juden
als „Feinde des Menschengeschlechts“.
Antijudaismus im Mittelalter
Die zentralen Thesen und religiösen Deutungsmuster des christlichen Antijudaismus wie der
„Christus-“ bzw. „Gottesmord“, der allen Juden Schuld am Tod Jesu gab, und die „Enterbung“
des Volkes Gottes zu Gunsten der Kirche (Substitutionstheologie) sind von verschiedenen
Schriften des Neuen Testaments hergeleitet (siehe Antijudaismus im Neuen Testament). Sie
dienten anfangs der Selbstbehauptung einer jüdischen Minderheit in Israel, wurden von der
heidenchristlichen Mehrheit übernommen und seit 380 in eine Staatsreligion mit universalem
Herrschaftsanspruch integriert.
Im Mittelalter nahm die antijüdische Kirchenpolitik Züge einer systematischen Verfolgung an.
Juden wurden nach erfolglosen Missionsversuchen zwangsgetauft, später ghettoisiert und
dämonisiert. In Spanien, wo die Juden 1492 zwangsgetauft oder vertrieben wurden, bildete
sich eine frühe ethnisch begründete Judenfeindschaft: Nur Christen, die eine limpieza de
sangre (spanisch für Reinheit des Blutes) aufwiesen, das heißt nicht von Morisken oder
Marranen abstammten, galten der Inquisition als unverdächtig.
Die christliche Judenfeindlichkeit des Mittelalters dachte außerhalb Spaniens noch nicht in
rassischen Kategorien, richtete sich aber gegen alle Juden als Nachkommen der „Mörder“ des
Heilands. Im Kontext von sozialen Missständen, Kreuzzügen und Pest führte der Aberglaube
häufig zu Massakern (Pogromen) an Juden. Martin Luther empfahl 1543 in seiner Schrift Von
den jüden und iren lügen die Ausweisung der Juden, Arbeitszwang und Verbot ihrer
Religionsausübung. Diese Ablehnung bestimmte Theologie und Politik im Abendland bis zur
Aufklärung und darüber hinaus. Sie prägt die Volksfrömmigkeit vielfach bis heute (siehe
Antijudaismus in der Neuzeit).
Antisemitismus bis 1945
Nach der Französischen Revolution 1789 entstanden überall in Europa nationale
Einigungsbewegungen. Das 19. Jahrhundert brachte zwar auch die beginnende Emanzipation
der Juden in Europa, der Judenhass wirkte jedoch auch im aufgeklärten Bürgertum fort und
suchte sich nun pseudowissenschaftliche Gründe. Ab etwa 1860 keimte der Rassismus auf.
Auch Juden wurden nun als „Rasse“ definiert. Damit wurde der ältere Antijudaismus nicht
abgelöst, aber umgeformt und überlagert.
In vielen Staaten Europas, besonders im neuen Deutschen Kaiserreich (ab 1871), im
zaristischen Russland, im Habsburger Vielvölkerstaat Österreich und in Frankreich bildete sich
daraus eine politische Ideologie. Ein Konglomerat antiliberaler, ethnisch-national gesinnter
Gruppen machte die Bekämpfung, Isolierung, Vertreibung und schließlich Vernichtung alles
„Semitischen“ zu ihrem Programm. Gemeint waren die Juden.
Antisemitismus und Rassismus bereiteten auch dem Nationalsozialismus den Boden, der zum
staatlich organisierten Massenmord (Holocaust) am europäischen Judentum führte.
Antizionismus
Die durchgängige Judenfeindlichkeit in Europa führte Ende des 19. Jahrhunderts zur
organisierten Suche von Juden nach einer eigenen Heimat. Diese Bewegung des Zionismus
rief nach den ersten Einwanderungswellen (Alijot) eine Gegenreaktion hervor. Mit dem
arabischen Aufstand 1936-39 begann der Widerstand von Palästinensern gegen jüdische
Siedler. Dieser wandte sich gegen die jüdische Besiedlung Palästinas und seit 1948 gegen die
Existenz des Staates Israel.
Die Politik Israels seit dem Sechstagekrieg 1967 wurde zum Anlass für pauschale
Anfeindungen gegen Juden genommen: besonders in arabischen Ländern, aber auch in Europa
und anderen Teilen der Welt. Diese finden immer neue Nahrung durch den fortdauernden
Nahostkonflikt. Dabei übernehmen die Medien und Eliten islamisch geprägter Länder oft
ungebrochen Motive aus dem europäischen Antisemitismus oder Antijudaismus.
Dennoch muss diese arabisch-islamische Judenfeindlichkeit aus ihrer eigenen Geschichte
heraus erklärt werden. Der Konflikt hat auf beiden Seiten zu ideologischer Verschärfung und
Verblendung geführt. Es gibt heute Juden und Bürger Israels, die den heutigen Zionismus
ablehnen, so wie der Islamismus nicht von sämtlichen Muslimen und Arabern vertreten wird.
Antizionismus ist deshalb nicht prinzipiell mit Judenhass gleichzusetzen. Kritiker wie zum
Beispiel Uri Avnery haben vorgeschlagen, die Befreiung Israels von zionistischer Ideologie
würde die Grundlage schaffen, auf nüchterner, partnerschaftlicher Ebene an einem
Nahostfrieden zu arbeiten.
Antisemitismus nach 1945
Antijudaismus, Rassismus und Antisemitismus sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
keineswegs überwunden. Sie bestehen als latente, in Krisenzeiten aktivierbare Strömung in
Deutschland wie auch anderen Ländern weiter und zeigen sich in letzter Zeit wieder verstärkt.
In der Bundesrepublik ist ein gesellschaftliches Umfeld entstanden, das nach Untersuchungen
der Antisemitismusforschung neben allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auch die Duldung von
offener Feindschaft gegen Juden und Gewaltakte gegen Synagogen oder Friedhofsschändungen
begünstigt:
· Der Geschichtsrevisionismus fälscht oder relativiert die Ursachen des Holocaust; auch die
Holocaustleugnung besteht fort.
· Ein „sekundärer Antisemitismus“ gibt Juden die Schuld für gefühlte Belastungen, z. B. für
die Zwangsarbeiter-Entschädigungen.
· Israelkritik wird im Kontext aktueller Spannungen im Nahostkonflikt, im Gefolge des
Irakkriegs und des Islamismus häufig zu Israel- und Judenfeindschaft verallgemeinert.
· Antiamerikanismus, Antikapitalismus und neue Weltverschwörungstheorien verbinden sich
mit alten antisemitischen Klischees.
· Rechtsextreme Gewalt und rechtspopulistische Parteien vernetzen sich stärker und gewinnen
Präsenz in Landtagen und Öffentlichkeit.
· Ein zunehmender Teil der Gesellschaft will über 50 Jahre nach dem Kriegsende einen
„Schlussstrich“ unter das Thema Holocaust gezogen wissen: Bei einer Forsa-Umfrage aus
dem Jahre 2003 sprachen sich 61% der 1.301 Befragten in diesem Sinne aus. Von den
Befragten ließen sich 23 Prozent eindeutig „latenten bis starken antisemitischen
Einstellungen zuordnen“.
· Zugleich sterben die letzten überlebenden Zeitzeugen des Holocaust aus, so dass ihr
persönliches Erleben die öffentliche Wahrnehmung der Vergangenheit nicht mehr
beeinflussen kann.
Im Jahr 2005 veröffentlichte die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) eine Arbeits-Definition von Antisemitismus.

Judenfeindlichkeit, AntisemitismusJudenfeindlichkeit (auch: Judenhass, Judenfeindschaft) ist die pauschale Ablehnung von Judenoder des Judentums aus verschiedenen Motiven und mit verschiedenen Ausprägungen. Heutewird auch der um 1879 von Judenfeinden geprägte Begriff Antisemitismus als Oberbegriff füralle Arten von Judenfeindlichkeit verwendet.Juden waren in der Geschichte in vielen Ländern oft einer Feindschaft ausgesetzt, die sichunterschiedlich zeigte und auswirkte: von Verleumdung, Diskriminierung, Unterdrückung,Verfolgung bis hin zu Pogromen, Vertreibung und/oder Ermordung. Dies betraf:· das jüdische Volk im Raum Palästina: Antike Judenfeindschaft;· die jüdische Religion in Europa: Antijudaismus im Mittelalter und Antijudaismus in derNeuzeit;· ein angebliches „Weltjudentum“ und eine angebliche jüdische „Rasse“: Antisemitismus bis1945;In manchen Staaten und Regionen existiert diese Ablehnung bis heute fort und richtet sichgegen:· die Existenz des modernen Staates Israel: Antizionismus, heute oft gesteigert zu einemAntisemitismus in islamischen Ländern;· einen weiterhin unterstellten übergroßen Einfluss von Juden auf Wirtschaft, Gesellschaft,Politik und Kultur: Antisemitismus nach 1945.ÜberblickDie Formen von Judenfeindlichkeit haben je eigene Hauptmerkmale, die historisch voneinanderunterschieden werden. Zugleich bestehen Kontinuitäten zwischen ihnen: Dazu gehörenantijüdische Stereotype von Juden als „Feinden der Menschheit“ (Antike),„Gottesmördern“, „Wucherern“, „Ritualmördern“, „Brunnenvergiftern“ (Mittelalter undNeuzeit), „Parasiten“, „Verschwörern“, „Drahtziehern“ aller möglichen politischen undökonomischen Katastrophen, Betreibern einer „Zersetzung“ der Nationen (19. Jahrhundert),die allesamt bis in die Gegenwart hinein fortwirken. Verunglimpfende antijüdischeKarikaturen aus verschiedenen Zeiten ähneln sich. Auch die Verschwörungstheorie eines dieWeltgeschicke dominierenden Weltjudentums kehrt immer wieder.In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ein rassistischer Antisemitismus zur staatlichenDoktrin und begründete den staatlich organisierten und industriell vollzogenen Holocaust angut zwei Dritteln aller europäischen Juden. Um diese tiefe Zäsur in der Geschichte Europas,ihre Entstehungsbedingungen und Wurzeln zu begreifen, hat sich seit 1945 eineAntisemitismusforschung gebildet. In dieser werden sämtliche Formen von Judenfeindlichkeithinsichtlich ihrer Eigenarten, Kontinuitäten und Diskontinuitäten intensiv undfächerübergreifend erforscht.Dabei besteht keine Einigkeit über die sachgerechte Benennung des epochenübergreifendenPhänomens. Da Entstehung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von antiker, christlicher,neuzeitlicher und gegenwärtiger Judenfeindlichkeit noch unzureichend erforscht wurden, trifftman oft eine begriffliche Konfusion an: So werden antike und mittelalterliche Judenverfolgung,aber auch heutige antizionistische und anti-israelische Haltungen oft pauschal als„Antisemitismus“ eingeordnet, auch wenn sie nicht rassistisch motiviert sind.Besonders die deutschsprachige Forschung bezieht den Begriff „Antisemitismus“ meist auf dieEpoche, seit Judenfeinde diesen Begriff erfanden (1879) und spricht für die Zeit, seit sievölkisch und rassistisch argumentierten (1789), von einem „Frühantisemitismus“. Ältere,vorwiegend religiös motivierte und begründete Judenfeindlichkeit wird als „Antijudaismus“davon unterschieden. Besonders in der israelischen und angelsächsischen Forschung hat sich„Antisemitismus“ dagegen als Oberbegriff für die fundamentale Ablehnung alles „Jüdischen“seit der Antike eingebürgert.Damit wird allerdings der von Judengegnern ideologisch geprägte Rassenbegriff indirektübernommen. Dies unterstellt unter Umständen auch dort Ausrottungsabsichten, wo diesenicht vorhanden waren. Andererseits kann der Begriff „Judenfeindlichkeit“ Tendenzen, dieschon vor 1870 mit Abstammung, Volkszugehörigkeit und „Blutsverwandtschaft“argumentierten und auf kollektive Unterdrückung, Vertreibung und Auslöschung aller Judenhinausliefen, übersehen und einebnen. Auch erfasst dieser unspezifische Oberbegriff noch nichtdie besondere Ablehnung „des Jüdischen“, die auch ohne reale Juden funktioniert. Darin deutetsich das Problem einer allgemein gültigen Definition des Phänomens an.Nach dem Zitat des Patriarchen aus Gotthold Ephraim Lessings Drama Nathan der Weisewurde Juden oft das Existenzrecht abgesprochen, bloß weil sie Juden sind: Tut nichts, derJude wird verbrannt. Das zu Grunde liegende Phantombild, das im Nationalsozialismusparanoide Dimensionen annahm, besagt: Juden seien per se verkommen, böse und verdorben.Als „typisch“ für sie gilt dann alles, was diesem Negativbild entspricht; Was ihm widerspricht,kann nichts mit dem Judesein zu tun haben und wird als Verstellung angesehen.Prinzipielle Judenfeindschaft tendiert bei all ihren widersprüchlichen Begründungen letztlich zurvölligen Auslöschung des Judentums: sei es, indem es zur überholten und „verworfenen“Religion erklärt wurde, sei es, indem es einem allgemeinen humanen „Fortschritt“ zum Opfergebracht werden sollte oder zum Untergang durch den Selbstbehauptungskampf einerüberlegenen „Rasse“ bestimmt wurde. Diese irrationalen pauschalen Judenbilder gelten alsBeispiel für Bildung von Vorurteilen und politische Instrumentalisierung daraus konstruierterFeindbilder (Wolfgang Benz). Sie haben sich über die Jahrhunderte als außergewöhnlich stabilund wandlungsfähig erwiesen. Weshalb dieser Hass in Europa immer wieder besonders Judentraf und gerade in Deutschland zu einem systematischen staatlichen Ausrottungsversuchführte, ist noch nicht zureichend erklärt.Antike JudenfeindschaftDie Großreiche der Antike – Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer -versuchten oft, den eroberten Völkern ihre Götter und Kultur aufzuzwingen. Dabei erlaubte derverbreitete Polytheismus ihnen oft einen Synkretismus: Neue Götter wurden in das eigenePantheon aufgenommen oder man verehrte die alten Götter unter den Namen der Neuenweiter. Antike Religionspolitik war jedoch meist mit dem Gottkönigtum verbunden und voneinem Staatskult überwölbt, um die unterworfenen Völker zu vereinheitlichen.Das Judentum sah sich seit seinen Anfängen von fremdem Völkern und ihren Göttern bedroht,denn es akzeptierte nur einen Gott als Schöpfer der ganzen Welt (Monotheismus). Die Judenverweigerten sich vielfach dem Polytheismus, Synkretismus und Gottkönigtum der antikenUmwelt und stellten damit die Wertorientierung umliegender Kulturen in Frage. Das führte zueiner Reihe von religiös-politischen Konflikten in und um die Reiche Juda und Israel. Soversuchte schon der Seleukide Antiochus IV. um 170 v. Chr., den Zeuskult in Israel zuetablieren. Als dies unter den Makkabäern Widerstand auslöste, versuchte er, die Religion unddamit Identität des Volkes Israel auszulöschen.Die neue Weltmacht Rom tolerierte zunächst die eigenständige Religionsausübung desJudentums mitsamt seinem Tempelkult. Doch in der römischen Kaiserzeit entstanden erneutSpannungen, die schließlich zum jüdischen Krieg führten. Er endete 70 n. Chr. mit derZerstörung des 2. Jerusalemer Tempels. Damit verlor das Judentum sein religiöses undstaatliches Zentrum und 135 auch seine Eigenstaatlichkeit in Palästina. In der Folgezeitverfestigten sich antijüdische Stereotypen gerade bei gebildeten Römern: Ihnen galten Judenals „Feinde des Menschengeschlechts“.Antijudaismus im MittelalterDie zentralen Thesen und religiösen Deutungsmuster des christlichen Antijudaismus wie der„Christus-“ bzw. „Gottesmord“, der allen Juden Schuld am Tod Jesu gab, und die „Enterbung“des Volkes Gottes zu Gunsten der Kirche (Substitutionstheologie) sind von verschiedenenSchriften des Neuen Testaments hergeleitet (siehe Antijudaismus im Neuen Testament). Siedienten anfangs der Selbstbehauptung einer jüdischen Minderheit in Israel, wurden von derheidenchristlichen Mehrheit übernommen und seit 380 in eine Staatsreligion mit universalemHerrschaftsanspruch integriert.Im Mittelalter nahm die antijüdische Kirchenpolitik Züge einer systematischen Verfolgung an.Juden wurden nach erfolglosen Missionsversuchen zwangsgetauft, später ghettoisiert unddämonisiert. In Spanien, wo die Juden 1492 zwangsgetauft oder vertrieben wurden, bildetesich eine frühe ethnisch begründete Judenfeindschaft: Nur Christen, die eine limpieza desangre (spanisch für Reinheit des Blutes) aufwiesen, das heißt nicht von Morisken oderMarranen abstammten, galten der Inquisition als unverdächtig.Die christliche Judenfeindlichkeit des Mittelalters dachte außerhalb Spaniens noch nicht inrassischen Kategorien, richtete sich aber gegen alle Juden als Nachkommen der „Mörder“ desHeilands. Im Kontext von sozialen Missständen, Kreuzzügen und Pest führte der Aberglaubehäufig zu Massakern (Pogromen) an Juden. Martin Luther empfahl 1543 in seiner Schrift Vonden jüden und iren lügen die Ausweisung der Juden, Arbeitszwang und Verbot ihrerReligionsausübung. Diese Ablehnung bestimmte Theologie und Politik im Abendland bis zurAufklärung und darüber hinaus. Sie prägt die Volksfrömmigkeit vielfach bis heute (sieheAntijudaismus in der Neuzeit).Antisemitismus bis 1945Nach der Französischen Revolution 1789 entstanden überall in Europa nationaleEinigungsbewegungen. Das 19. Jahrhundert brachte zwar auch die beginnende Emanzipationder Juden in Europa, der Judenhass wirkte jedoch auch im aufgeklärten Bürgertum fort undsuchte sich nun pseudowissenschaftliche Gründe. Ab etwa 1860 keimte der Rassismus auf.Auch Juden wurden nun als „Rasse“ definiert. Damit wurde der ältere Antijudaismus nichtabgelöst, aber umgeformt und überlagert.In vielen Staaten Europas, besonders im neuen Deutschen Kaiserreich (ab 1871), imzaristischen Russland, im Habsburger Vielvölkerstaat Österreich und in Frankreich bildete sichdaraus eine politische Ideologie. Ein Konglomerat antiliberaler, ethnisch-national gesinnterGruppen machte die Bekämpfung, Isolierung, Vertreibung und schließlich Vernichtung alles„Semitischen“ zu ihrem Programm. Gemeint waren die Juden.Antisemitismus und Rassismus bereiteten auch dem Nationalsozialismus den Boden, der zumstaatlich organisierten Massenmord (Holocaust) am europäischen Judentum führte.AntizionismusDie durchgängige Judenfeindlichkeit in Europa führte Ende des 19. Jahrhunderts zurorganisierten Suche von Juden nach einer eigenen Heimat. Diese Bewegung des Zionismusrief nach den ersten Einwanderungswellen (Alijot) eine Gegenreaktion hervor. Mit demarabischen Aufstand 1936-39 begann der Widerstand von Palästinensern gegen jüdischeSiedler. Dieser wandte sich gegen die jüdische Besiedlung Palästinas und seit 1948 gegen dieExistenz des Staates Israel.Die Politik Israels seit dem Sechstagekrieg 1967 wurde zum Anlass für pauschaleAnfeindungen gegen Juden genommen: besonders in arabischen Ländern, aber auch in Europaund anderen Teilen der Welt. Diese finden immer neue Nahrung durch den fortdauerndenNahostkonflikt. Dabei übernehmen die Medien und Eliten islamisch geprägter Länder oftungebrochen Motive aus dem europäischen Antisemitismus oder Antijudaismus.Dennoch muss diese arabisch-islamische Judenfeindlichkeit aus ihrer eigenen Geschichteheraus erklärt werden. Der Konflikt hat auf beiden Seiten zu ideologischer Verschärfung undVerblendung geführt. Es gibt heute Juden und Bürger Israels, die den heutigen Zionismusablehnen, so wie der Islamismus nicht von sämtlichen Muslimen und Arabern vertreten wird.Antizionismus ist deshalb nicht prinzipiell mit Judenhass gleichzusetzen. Kritiker wie zumBeispiel Uri Avnery haben vorgeschlagen, die Befreiung Israels von zionistischer Ideologiewürde die Grundlage schaffen, auf nüchterner, partnerschaftlicher Ebene an einemNahostfrieden zu arbeiten.Antisemitismus nach 1945Antijudaismus, Rassismus und Antisemitismus sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegskeineswegs überwunden. Sie bestehen als latente, in Krisenzeiten aktivierbare Strömung inDeutschland wie auch anderen Ländern weiter und zeigen sich in letzter Zeit wieder verstärkt.In der Bundesrepublik ist ein gesellschaftliches Umfeld entstanden, das nach Untersuchungender Antisemitismusforschung neben allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auch die Duldung vonoffener Feindschaft gegen Juden und Gewaltakte gegen Synagogen oder Friedhofsschändungenbegünstigt:· Der Geschichtsrevisionismus fälscht oder relativiert die Ursachen des Holocaust; auch dieHolocaustleugnung besteht fort.· Ein „sekundärer Antisemitismus“ gibt Juden die Schuld für gefühlte Belastungen, z. B. fürdie Zwangsarbeiter-Entschädigungen.· Israelkritik wird im Kontext aktueller Spannungen im Nahostkonflikt, im Gefolge desIrakkriegs und des Islamismus häufig zu Israel- und Judenfeindschaft verallgemeinert.· Antiamerikanismus, Antikapitalismus und neue Weltverschwörungstheorien verbinden sichmit alten antisemitischen Klischees.· Rechtsextreme Gewalt und rechtspopulistische Parteien vernetzen sich stärker und gewinnenPräsenz in Landtagen und Öffentlichkeit.· Ein zunehmender Teil der Gesellschaft will über 50 Jahre nach dem Kriegsende einen„Schlussstrich“ unter das Thema Holocaust gezogen wissen: Bei einer Forsa-Umfrage ausdem Jahre 2003 sprachen sich 61% der 1.301 Befragten in diesem Sinne aus. Von denBefragten ließen sich 23 Prozent eindeutig „latenten bis starken antisemitischenEinstellungen zuordnen“.· Zugleich sterben die letzten überlebenden Zeitzeugen des Holocaust aus, so dass ihrpersönliches Erleben die öffentliche Wahrnehmung der Vergangenheit nicht mehrbeeinflussen kann.Im Jahr 2005 veröffentlichte die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus undFremdenfeindlichkeit (EUMC) eine Arbeits-Definition von Antisemitismus.[Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Judenfeindlichkeit%5D

Written by freundisraels

2010/04/29 um 14:59

Veröffentlicht in Allgemeines

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: